Radio Africa

Radio Africa

Er ist gewichtig, er ist schwer, nicht groß. He is in search of excellence, Radio Africa. Er macht einen Besuch bei Helmut. In Helmuts Laden werden Synthesizer ausgestellt. Neu und gebraucht werden die Instrumente verpackt und mit Paketdiensten in die ganze Welt verschickt.

 

„TOUCHED BY SOUND“

Micro Korg Synthesizer

Der Mann, der 2004 in Helmuts Musikgeschäft („Touched By Sound“) steht, ist Afrikaner, König vielleicht, Chief. Auf jeden Fall ziemlich ge-wichtig, mit Anzug. Sein Blick liegt auf einem alten Mischpult, das Helmut und seine Helfer in den kleinen Laden in Hamburg Barmbek geschleppt haben. „Was braucht man, um Musik zu machen, Radio in Africa?“ Helmut weis noch nicht, dass es dem Mann nicht in erster Linie um Musik geht.
„Menschen, du brauchst die Leute, die so etwas bedienen können und sich damit auskennen“, antwortet Helmut, hinter dem eine Goldene Schallplatte eingerahmt, wie ein Meisterbrief, an der Wand hängt.

 

„Reise ans Ende des Verstandes“

Helmut hat zusammen im Team (Klaus Doldinger) die Filmmusik von „Das Boot“ gemacht. Dem Spielfilm von Regisseur Wolfgang Petersen, der Herbert Grönemeyer zum Durchbruch verholfen hat und die Verfolgung eines deutschen U-Bootes im zweiten Weltkrieg darstellt.

Filmlogo "Das Boot"
Von Das Boot/The Boat (1981) – http://www.filmposter-archiv.de/filmplakat.php?id=2852, Logo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=6362923

In seinem Laden ist immer etwas los. Irgendwer ist immer da um sich bei Helmut Rat zu holen. Einfach um zu reden. Oder andere Musiker kennenzulernen. Geschäfte zu machen oder neue Projekte ins Leben zu rufen: Hier beginnen und enden Musikerträume. Wenn neugierige DJ’s auf den elektronischen Musikinstrumenten ihre Musik ausprobieren. Sie schauen, ob es noch etwas abzustauben gibt (gebraucht). Oder etwas, das den Song anders klingen läßt: Die Effektmaschine erklärt bekommen, den Synthesizer günstiger gefunden, als anderswo.
Der afrikanische Chef braucht allerdings kein Equipment um Radio zu machen. Sondern einen Laden, um afrikanische Lebensmittel zu verkaufen, Telefonkarten und Hautbleichmittel.

 

„That Happy Feeling?“

„Afrika takes Place“ in Barmbek. Hundert Meter entfernt, wo Roman und Verfilmung von „Neger, Neger, Schornsteinfeger!“ (mit Veronika Ferres als Mutter und Krankenschwester) spielt.

Straßenschild "Stückenstraße"
Hier spielt „Neger, Neger, Schornsteinfeger“, die Geschichte eines Jungen mit liberianischem Vater im Hamburg der Nazizeit.

Gegenüber in einem alten Fabrikgebäude bietet die „Deutsche Pop“, Ausbildungen in Musik und Medien. Und eine U-Bahnstation entfernt, ist der Bert-Kaempfert-Platz:

Vor lila Wolken und Winnetou: Hinweisschild zur Deutschen Pop
Vor lila Wolken und Winnetou: Hinweisschild zur Deutschen Pop

Der Komponist von „Strangers in the Night“ (Frank Sinatra), ist auch ein Sohn des Stadtteils. Kaempfert komponierte in den 1970er Jahren „A Swingin‘ Safari“ und „Afrikaan Beat“.

Zu der Zeit, als die „Sugarhill Gang“ die Rapp Musik feierten, war in Deutschland fetter Bigband Klang an der Tagesordnung. Afrikaner dagegen, in Hamburg absolut selten anzutreffen. Und man kannte sie bestenfalls aus der Hitparade von „Boney M“.

 

Hamburg war Musikhauptstadt

Die wichtigsten Zeitungs- und Musikverlage hatten im sicheren Westen von Deutschland ihren Hauptsitz. Aus Angst vor der Sowjetunion gingen sie nicht nach Berlin. Die wichtigsten Schallplatten und Filmproduktionen waren in Hamburg ansässig: Universal, EastWest Records, Polydor, Deutsche Grammophon: Nationale- und internationale Stars kamen meist zuerst in die Hansestadt. Um hier ihre neuesten Produktionen zu bewerben. Das ging bis etwa Mitte/Ende der 90er Jahre, als Berlin anstelle von Bonn wieder deutsche Hauptstadt wurde.

 

Radio Africa

"World Wide Food" Geschäft
Um die Jahrtausend Wende gab es den Gegensatz zwischen „Old“ und „New“ Economy. Es wurden Milliarden in dubiosen Internetfirmen versenkt, die hohe Gewinne versprachen. Solide Arbeit gegen Mausklicks. Realität vs. Schein und nicht eingelöster Zukunftsversprechungen.

In dem Song „Radio Africa“ aus der Mitte der 80er Jahre von „Latin Quarter“ heißt es:

„I‘ m hearing only bad News from radio Africa

The West still complains about the foreign aid
They’d do better to change the terms of trade“

Der Laden, der jetzt an Stelle von Helmuts Synthesizer Geschäft mit Lebensmitteln handelt, wirkt wie eine Trutzburg: „World Wide Food“ anstelle von Mangel. Nicht mehr 80er Jahre Band Aid, Ohnmacht und Hungerkatastrophe, sondern Getreidesäcke und schwere Arbeit.

Lebensmittel bei "World Wide Food"
Säckeweise Lebensmittel

 

An anderer Stelle in Hamburg. Zwischen Saga/GWG Häusern, steht ein Lieferwagen (Rechtslenker). Dieser englische Wagen trägt den Schriftzug „Butcher“ auf der Seite. Er ist voll mit gebrauchten, elektronischen Kleingeräten beladen. Einer der Packer, der so wirkt als müsse er etwas erklären, sagt: „Das ist nicht geklaut, das ist Schwarzer Mann spricht.“

Was meint er nur damit? Was haben Hi-Fi Geräte, Fernseher, Küchenmaschinen, mit „Schwarzer Mann spricht“ zu tun? Geht es um Telefonkarten, wegen sprechen, oder so?

Radio?

 

Hier ein Radio-Feature des Süd-West Rundfunk: „Königskinder“ erzählt die Geschichte, der aus Togo geflüchteten Königsfamilie Ayéva, welche jetzt in Deutschland lebt.

 

 

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