Legal, illegal, alles egal?

Der Mann im Strom – Siegfried Lenz

 

Buchbesprechung

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Das ist wie bei Marco Reus, der keinen Führerschein gemacht hat: Als er einmal damit angefangen hatte teure Sportwagen zu fahren, konnte er nicht einfach zur Fahrschule gehen und nebenbei seine Fahrerlaubnis machen.

Version 2

Hinrichs, der Protagonist, Taucher und um die 50 Jahre, fälscht seine Papiere. Um jünger zu sein und wieder Jobs zu nehmen, „ …denn mit einem Alten, den man neu einstellt, will sich niemand belasten.“ Sein Glück: Er ist ein Flüchtling aus den verlorenen deutschen Ostgebieten und niemand kennt ihn.

Am Anfang ist es nur das Tauchbuch. Denn die Geschichte ist ein Kampf um Schrott: Im Hamburger Hafen liegen nach dem 2. Weltkrieg jede Menge Schiffe auf Grund und müssen geborgen werden. Diese Arbeit ist gefährlich und anstrengend: Hinrichs schlüpft dabei ausgerechnet in die Taucherausrüstung seines verunfallten, zu alt gewordenen Vorgängers.

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Nicht lernen, sondern schnell Geld machen

Bei seinem Betrug hat er hartnäckige, junge Widersacher: Seine Tochter erwartet ein Kind von Manfred. Dieser stellt sich Hinrichs mit „ruhigem Hass“, sauber gekämmt und mit Verachtung in den Weg. „All den jungen Herrn geht es heute nicht schnell genug, sie wollen nicht lernen, sondern gleich etwas sein und eine Menge Geld verdienen“, sagt der ältere Taucher und wird von Manfreds krimineller Clique verprügelt, als er seine Tochter von Manfred zurückholen will.

Jedoch bekommt er auch Hilfe. Kuddel schlägt sich von Anfang an auf Hinrichs Seite. Er ist ein richtiger Kollege und hilft ihm, wo er kann. Kuddel, welcher auch der „Hüne“ genannt wird, hat selber ein schweres Päckchen zu tragen: Direkt nach dem Krieg, als es nichts zu essen gab, hatte er mit einigen Freunden bei einem Bauern ein Schwein geklaut. Während sich seine Komplizen danach vom Acker machten. Der Hüne wurde mit einem Kotelett zwischen den Zähnen von der Polizei festgenommen und musste ins Gefängnis.

Manfred heuert unterdessen in Hinrichs Firma an. Und bemerkt den Betrug: Hinrichs muss auch noch seine gesamten Ausweispapiere für einen Auslandsauftrag der Firma fälschen. Im Gegenzug lauert dieser Manfred auf: Er will wertvolle U-Boot Akkus nachts aus der Firma klauen. Es kommt zum Showdown.

 

Notlösung als Dauerzustand

Es gibt Menschen, die ihr ganzes Arbeitsleben darauf warten, endlich ertappt zu werden. Was anfangs eine Notlösung war, ist Alltag geworden: Aus einer Lüge, aus einem Betrug wird der Dauerzustand. Mit allen Vor- aber meistens schmerzhaften Nachteilen. Man lügt sich von Notlösung zu Notlösung und kann dann leider immer nichts wirklich Ordentliches machen. Weil es trotzdem immer irgendwie weiter geht. Weil man liebt, sogar Kinder bekommt.

 

„Hey, wir schaffen das Kumpel!“

Schaffen wir das?…

 

Siegfried Lenz: „Der Mann im Strom“. Erstveröffentlichung Hamburg 1957.